Archiv für die Kategorie ‘M’

Das war ich nicht - Kristof Magnusson

Freitag, 29. Januar 2010

Ein brillanter Roman! Magnusson verwebt kunstvoll das Leben dreier Personen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Da wäre der Schriftsteller Henry aus Chicago, seine Übersetzerin Meike aus dem Norden Deutschlands und der deutsche Banker Jasper. Zunächst haben die 3 Figuren keinerlei Anknüpfungspunkte - bis Henry spurlos verschwindet, Meike ihm aus einer fixen Idee und Geldmangel in Chicago nachstellt und beide aus unterschiedlichen Gründen auf Jasper treffen. Was daran so brilliant ist? Kein Erzählstrang ist langweilig, die Verknüpfungen kunstvoll und trotzdem sehr natürlich - man denkt nur “Ja, genau so musste das passieren”. Die Abwärtsschleife, der Strudel der Ereignisse in die alle 3 verwickelt werden ist einfach so toll zu lesen, das man richtig in einen Rausch gerät - und der Autor hält das Tempo konstant durch! Keine Minute langweilig oder anstrengend, eine verdammt gute, kurzweilig erzählte Geschichte - eine der Empfehlungen für dieses Frühjahr!

Herztier - Herta Müller

Donnerstag, 05. November 2009

Sprachlich ganz groß. Beeindruckend. Beklemmend, betrachtend, beobachtend. Wahrscheinlich könnte diese ungewöhnliche Frau auch über Kachelöfen schreiben, ich wäre begeistert. Aber das wäre ihr Unrecht getan, denn sie greift Geschichte auf, harte Zeiten in denen Freundschaft, Durchhaltevermögen und Vertrauen die wichtigsten Güter sind. Wo aber auch Leid regiert und die Menschen unten gehalten werden. Ein beeindruckendes Portrait und ganz sicher hat die Jury für den Literaturnobelpreis diesen Preis an die absolut Richtige vergeben. Sicherlich nicht mein letztes Buch von ihr.

Köchin für einen Sommer - Bethan Morgan

Sonntag, 11. Oktober 2009

Ein schöner, leichter Sommerroman. Im Jahre 1936 verdingt die junge Kitty sich als Köchin bei einer äußerst exzentrischen Amerikanerin, die sich mit ihrem Geliebten, einem Schriftsteller und ihrer Tochter in einem englischen Cottage einigelt. Eigentlich ist von Anfang an klar, das alle Figuren in dieser Konstellation nicht glücklich werden können. Große Überraschungen sind also nicht zu erwarten, aber es ist so schön „englisch“ geschrieben und die Gegend und das Cottage werden sehr bildhaft dargestellt. Ein weiter Pluspunkt sind sicherlich die liebevoll gezeichneten Protagonisten mit all ihren Schrullen und inneren Gefühlswirren.

Tagsüber dieses strahlende Blau - Stefan Mühldorfer

Donnerstag, 13. August 2009

Wieder ein Buch das ich mit meinem bewährten Lesekreis zusammen gelesen habe. Ich kannte es vorher nur vom Sehen und mich hat der Titel aber sehr angesprochen. Ein Buch dessen Handlung sich über nur einen Tag erstreckt, ist gewagt. Hier bleibt jedoch nicht der Handlungsstrang auf der Strecke. Robert Ames ist Vertreter für Lebensversicherungen, hat einen scharfen Blick und neigt dazu, sehr vieles zu analysieren, im Kopf durchzuspielen. Man hat das Gefühl, das dieser eigentlich normale Tag für ihn einige Erkenntnisse für sein Leben und seine Ehe bereithält, die er zwar wahrnimmt und auch im Kopf gedanklich beackert und dennoch am Ende fast fassungslos und handlungsunfähig vor dem Trümmerhaufen steht. Für mich sprachlich toll zu lesen, hatte auch genau die richtige Länge um zu “wirken”.

Die Straße - Cormac McCarty

Sonntag, 26. Juli 2009

Ein Weltuntergangsszenario - obwohl die Geschehnisse im Dunkeln bleiben. Ein Vater und sein Sohn wandern, nur mit dem allernötigsten, durch ein zerstörtes Amerika, der Tod ist allgegenwärtig. Das Buch ist düster, auch durchaus bedrückend. Ich kann nur meine Stimmung beschreiben - mich hat es nicht so sehr berührt, weil Vater und Sohn so anonym bleiben und für mich auch ihre Beweggründe für die Flucht an die Küste. Vom Stil her einige wirklich gute Szenen aber es hat mich wirklich nicht grade mitgerissen - mir fehlte das persönliche und auch ein wenig Handlung.

Die große Welt - Colum McCann

Samstag, 25. Juli 2009

*erscheint im September 2009*

Mit der Geschichte des Seiltänzers, der in den 70gern zwischen den zwei Türmen des World Trade Centers sein Seil spannte, verknüpft McCann ein großes New York Epos. Das Problem was ich eigentlich fast immer mit Geschichten habe, die aus 5 oder mehr Blickwinkeln erzählt werden - einige gefallen mir super, andere ziehen sich ein bisschen. So auch hier - ich habe das Buch gerne und auch recht schnell gelesen, werde es auch durchaus empfehlen. Trotzdem hat es einige Längen. Am Ende ist man dennoch erstaunt, wie toll der Erzählstrang durch alle Blickwinkel geht und wo sich die Protagonisten treffen und verknüpfen - das ist schon ein toller Erzähler, der McCann…

Hand aufs Herz - Anthony McCarten

Mittwoch, 08. Juli 2009

Erscheint im September 2009!

Es klingt ein bisschen, ja gradezu seltsam, das Geschehen in McCartens neuem Roman. Aber dieser Autor scheint ja eine Vorliebe für ungewöhnliche Ereignisse zu haben. Ich jedenfalls liebe ihn dafür! In diesem Fall gibt es ein Auto zu gewinnen: wenn man nur lange genug die Hand darauf hält, ohne loszulassen. Das klingt schräg? Ist es auch! Und es zieht einen Haufen Menschen an, junge, alte, ehemalige Soldaten, Verlierer, reiche Yuppies und mehr. Für viele ist es Spaß oder Herausforderung - für einige Teilnehmer steht aber noch viel mehr auf dem Spiel. Wer wird gewinnen? Wer hätte es moralisch verdient, zu gewinnen? Hier wird wieder ein Geflecht gesponnen aus interessanten Figuren, einer temporeichen Handlung und vielen aufgeworfenen Fragen - und das ganze gleitet trotz Witz und Sarkasmus nicht in Slapstick ab! Diogenes hat mit diesem Autor einen echten Glückstreffer gelandet - weiter so!

Englischer Harem - Anthony McCarten

Mittwoch, 17. Juni 2009

Oft kommt die Anfrage: Ich brauche was zu lesen. Es soll Witz haben, gut erzählt und spannend sein. Aber nicht zu seicht, nicht zu hohe Literatur - eine packende Geschichte mit ungewöhnlichem Thema. Ab heute kann ich all diesen Menschen dieses Buch nur ans Herz legen.Ich habe einen herrlichen Urlaubstag damit verbracht und finde es richtig, richtig toll!

Wie der Titel schon andeutet, geht es in dieser Geschichte durchaus um einen Mann und seine 3 Frauen. Allerdings ist in diesem Roman auch nichts wie es scheint - McCarten spielt mit den Klischees und den Erwartungen des Lesers, packt seine Gesellschaftskritik in schön gestaltete Szenen und auf 582 Seiten kommt kein bisschen Langeweile auf. Als Tracy Pringle, 20 Jahre und Supermarktkassiererin ihren Eltern verkündet das sie heiraten wird, sind diese entsetzt. Als sie mitbekommen das der Auserwählte Perser ist und bereits 2 Frauen hat - Schock! Aber das ist nur der Anfang dieses grandios erzählten Romans der einen in seinen Bann zieht - mit sehr viel Witz, Weisheit, einem Aufruf für Toleranz…McCarten gelingt es sehr authentisch, die verschiedenen Kulturen zu mischen und sie zu Wort kommen zu lassen - kein erhobener Zeigefinger, wohl aber ein kluges Hinterfragen der eigenen, doch allzu oft festgezurrten Meinung. Gespickt mit vielen absolut tollen Sätzen, die mich beeindruckt haben!

“Was ist denn Schlimmes daran, wenn manch einer mit dem Leben einen Kompromiss schließt? Wer hat ein Recht zu urteilen, wenn er nichts weiß über das Wie, Warum und Wozu? Das habe ich in meinem Leben gelernt - nach ein oder zwei Schiffbrüchen, da hält man sich an jedem Stück Treibgut fest, nur um zu überleben.”

Afterdark - Haruki Murakami

Sonntag, 07. Juni 2009

Ich bin ja bekanntermaßen ein sehr großer Murakami Fan. Ich lese seine Bücher nur im Urlaub, mit ausreichend Zeit und Muße. Afterdark ist ja eines der dünnsten Bücher dieses Autors. Vielleicht liegt es daran - ich liebe seine so detailreichen, ausschweifenden Beschreibungen so sehr. Ich empfand keine besondere Bindung zu den handelnden Personen. Wer andere Werke von Murakami gelesen hat, dem wird Afterdark dennoch gefallen, weil er wieder einige typische Thematiken aufgreift, lose Enden zulässt und Fragen stellt, für die er so bekannt ist. Trotzdem für mich nicht der beste Murakami und als Einstieg nicht so geeignet. Ich dachte beim Lesen, es müsste ein früheres Werk sein, es ordnet sich aber eher in der Mitte ein. Vielleicht ein Experiment…;-) Weil es Murakami ist, lasse ich es ihm mal durchgehen…

Schlechter Sex 2 - Mia Ming

Dienstag, 28. April 2009

In diesem zweiten Teil von “Schlechter Sex” kommen nun die Männer zu Wort. Beim ersten Teil hatte ich viel Spaß, hier habe ich auch ab und an geschmunzelt, fand die Geschichten aber insgesamt irgendwie nicht soo den Reisser. Irgendwie schade.