Artikel mit ‘Familie’ getagged

Der letzte unsichtbare Junge - Evan Kuhlmann

Sonntag, 02. Mai 2010

Finn wird langsam aber sicher unsichtbar. Er hat fast schon Angst, selbst zu verschwinden. Kann diese seltsame Farblosigkeit etwas damit zu tun haben, das sein Vater gestorben ist? In seinem Tagebuch hält Finn die Erinnerungen fest, die er mit seinem Vater verbindet, die neue Struktur der Tage, die ihm so fremd vorkommt und fragt sich immer wieder: wird er irgendwann wieder sichtbar werden?  Finn gestaltet sein Tagebuch mit Zeichnungen und schreibt sich die ganzen Dinge, die er weder mit seiner Mutter noch mit seinem Bruder besprechen kann, von der Seele. Das zu lesen, das rührt einen an, man fragt sich zusammen mit Finn, warum manche Dinge so passieren. Es ist schwer ein Buch zu beurteilen, das etwas so individuelles wie Trauer behandelt. Es wählt jedenfalls eine sehr schöne Idee aus, mit der Finn seine Gefühle ausdrückt - vielleicht gibt es irgendwo einen anderen 12jährigen, dem es genauso geht…ich kanns mir jedenfalls vorstellen…

Letzte Nacht in Twisted River - John Irving

Donnerstag, 29. April 2010

Es juckt einen ja in den Fingern, ganz viel zu diesem wieder äußerst epischen Roman von Irving zu schreiben - gibt es doch soviel zu interpretieren, zu bemerken, zu entdecken. Und doch kann ich kurz sagen: Hat mir sehr gut gefallen, las sich schnell und mit Vergnügen! Der Roman hat zwar, irvingtypisch durchaus ein paar kleinere Längen, über diese kann ich jedoch großzügig hinwegsehen. Irving hat hier seine (für mich persönlich) am liebenswertesten Charaktere erschaffen. Seine Spielerei mit Namen und vorallem die  Beschreibungen von kulinarischem haben Charme und wecken immer wieder die Lust auf mehr. Trotzdem hat der Roman seine Ecken und Kanten, sein Unangepasstes, einige Schrägheiten und Skurrilitäten, wie man das von Irving gewohnt ist. Ich denke sowohl alte Irving-Fans kommen voll auf ihre Kosten als auch Neueinsteiger - ich jedenfalls war nach diesem Irving wieder absolut von seinem Können überzeugt. Wer mich auf 832 Seiten immer wieder zu überraschen weiss, trotz das einige Motive bereits aus früheren Romanen bekannt sind und mich trotzdem auf hohem, literarischen Niveau unterhält und mich zwischendurch lachen und weinen läßt  - der kann es einfach!

Paula Spencer - Roddy Doyle

Sonntag, 25. April 2010

Wie der Titel vermuten lässt, dreht sich alles in diesem Roman um die Irin Paula Spencer. Hier wird eine Figur gezeichnet, der sonst vielleicht nicht soviel Aufmerksamkeit  seitens der Literatur entgegengebracht wird - Doyle gelingt das sehr einfühlsam, das Buch wirkt weder effekthascherisch noch aufgesetzt sondern einfach nur ehrlich. Hart und manchmal fast zu ungeschönt, aber genau das ist es, was diesen Roman abhebt. Paulas täglicher Kampf um trocken zu bleiben, sie die ehemalige Alkoholikerin, die putzen geht um das Geld für sich und ihre 2 noch zuhause lebenden Kinder zu verdienen, die ihren eigenen Dämonen nachjagen. Es ist kein Krimi und dennoch hält man zeitweise fast den Atem an und fragt sich: Schafft Paula es? Wie wird sie weitermachen? Das macht für mich ein wirklich gutes Buch aus!

River - Donna Milner

Donnerstag, 22. April 2010

Es ist schwer das Buch in Worte zu fassen - geht einem ja manchmal so, wenn man sehr begeistert ist - ich sage mal vorneweg: das Buch lohnt den Kauf absolut! Was als ruhige, fast schon idyllische Familiengeschichte in Kanada auf einer Milchfarm beginnt, das entwickelt sich nach und nach zu einer sehr dichten, spannenden Geschichte die einen ganz gefangen nimmt - den ein Ereignis im Leben der Familie Ward, das Auftauchen des jungen “River” verändert alles - auf eine Art, die sich niemand vorstellen konnte. Ein unglaublich guter Roman den man wirklich ungerne aus der Hand legt. Für mich eine schöne Entdeckung, sehr empfehlenswert!

Ferien auf Saltkrokan - Astrid Lindgren

Donnerstag, 08. April 2010

Immer wenn ich erwähnte, das ich diesen absoluten Klassiker nicht kenne, dann seufzten die Leute in meiner Umgebung laut, verdrehten schwärmerisch die Augen und meinten “Das musst Du unbedingt mal lesen…”. Nun passte meine Stimmung, ich hatte Zeit und las dieses herrliche Buch. Wenn auch einiges sich mittlerweile in unserer Welt geändert hat - es spielt für die Bücher von Lindgren keine Rolle. Dort gibt es noch keine Handys, kein Facebook - und dennoch kennt auf der kleinen Insel Saltkrokan jeder jeden und Verabredungen werden eben so getroffen, wie der Tag verläuft. Das Buch läßt einen den Sommer riechen, diesen typischen, verschwenderischen schwedischen Sommer, läßt einen laut auflachen, wenn die Familie Melcherson ihr etwas verrücktes und ungewöhnliches, aber so herzerfrischend anderes Leben auf der Insel erlebt. Die Kinder wachsen einem ans Herz, ebenso die Tiere und Bewohner der Insel. Endlich verstehe ich, warum alle immer so schwärmerisch seufzen…ich gehöre nun auch dazu! Mein besonderer Liebling ist Pelle - und alle seine Äußerungen zu Haustieren - ein Kind das sogar Wespen als Haustiere zählt, das kann man doch nur liebhaben, oder? Und nun sage ich allen zimtfisch.net Lesern…“Solltet Ihr unbedingt mal lesen…oder auch mal-wieder-lesen…!”

Ein ungezähmtes Leben - Jeannette Walls

Freitag, 02. April 2010

Ich habe “Ein Schloss aus Glas” geliebt. Und dementsprechend Angst gehabt, vor Walls nächstem Buch. Kann es überhaupt ähnlich gut sein? Worüber wird sie schreiben? Walls hat sich für die Geschichte ihrer Großmutter, Lily Casey Smith entschieden, auch aus der Sicht von Lily selbst erzählt. Auch wenn die Autorin einiges fiktives einfliessen läßt, die Eckpunkte der Biographie stimmen soweit - vieles hat Walls aus Gesprächen mit ihrer Mutter herausgefiltert. Und sie erzählt wieder - sooo hinreissend. Ich bin begeistert von dieser ungewöhnlichen Frau, die wirklich ein unangepasstes, ganz eigenes Leben geführt hat - voll mit Arbeit, Umzügen, Neuorientierungen und Rückschlägen, quer durch die USA - man langweilt sich keine Minute. Und obwohl einige Episoden, wie das Leben auf einer Ranch, mich im normalen Leben sehr selten interessiern - Walls schafft es, das ich alles aufsauge und nach mehr rufe! Alle Fans von ihrem ersten Werk werden sich außerdem darüber freuen, das man noch mehr Einblick in die Jugend von Walls’ Mutter bekommt - es macht das ganze noch “dichter”.

Ein klasse Roman, man hat das Gefühl das Lily neben einem auf einem Pferd reitet und Dir ihre Lebensgeschichte erzählt - immer noch kein bisschen müde und immer noch voller Hunger auf das Leben!

Kaputte Suppe - Jenny Valentine

Mittwoch, 31. März 2010

Einfühlsam erzählt Valentine die Geschichte von Rowan, die eigentlich völlig damit beschäftigt ist, nach dem Tod ihres Bruders die Familienstruktur aufrecht zu erhalten - sich um ihre kleine Schwester zu kümmern und den Zustand ihrer Mutter zu “vertuschen”, die schwer depressiv kaum noch am Leben teilnimmt. Als sie von einem unbekannten Jungen ein Foto-Negativ geradezu aufgedrängt bekommt, verändert dieses Foto alles und Rowan lernt durch das Foto Bee, eine ungewöhnliche junge Frau und auch den Jungen, der ihr das Negativ gab, sehr viel besser kennen als sie es je geglaubt hätte.

Valentine hat ein Händchen für die Tragik die im Leben junger Menschen herrschen kann. Sie hat auch hier wieder bewiesen, wie großartig sie die Schwierigkeiten, die das Leben bietet in eine Geschichte verpacken kann, die den Leser anspricht und weiterlesen lässt. Ein ganz wunderbares Jugendbuch!

Achtung Baby! - Michael Mittermeier

Dienstag, 30. März 2010

Ich bin ja immer etwas skeptisch - nicht jeder Komiker kann auch schreiben. Und die Aufmachung des Buches sprach mich eigentlich auch nicht an. Aber nachdem ich es empfohlen bekam und  auf den ersten Seiten eine hinreissende Geschichte über Jagd auf Nahrung in der Schwangerschaft (”Fleisch - sofort!!!”) fand, meinem Mann vorlas und der nur nickte und meinte “Da hat der ziemlich recht!“  musste das Buch mit. Ein unterhaltsames Werk, Mittermeier nimmt sich netterweise auch selbst aufs Korn und vermischt seine eigenen Erfahrungen mit denen aus dem Bekanntenkreis und einigen Stücken aus seinem Bühnenprogramm. Sympathisch geschrieben und einige Male musste ich wirklich laut lachen - genau so isses! Die Pointen sind nicht zu flach und mit vielem hat er den Kern der Sache getroffen - und nimmt vorallem alles mit Humor - wohl der beste Tipp an werdende Eltern…;-)

Vatermord und andere Familienvergnügen - Steve Toltz

Sonntag, 28. März 2010

Was für ein Roman! Nicht nur das er ziemlich dick ist, nein, er ist auch wirklich ein beeindruckendes Debüt eines Australiers! Der gute Herr Toltz hat ein klasse Leben vor sich, wenn er so weiterschreibt. Dieser Roman hat alles - irrwitzige Ideen, eine Verbrecher-Geschichte in der nichts so ist, wie es auf den ersten (einfachen) Blick scheint, Vater-Sohn-Erlebnisse der ganz anderen Art und viel philosophischen und skurrilen Witz. Ich habe viel gelacht, den Kopf geschüttelt, habe das Buch ungern weggelegt. Der Autor wechselt zwischen einigen Erzählpassagen hin und her - zu meinen Lieblingen gehört definitiv der Anfang, der als Erzählung des Vaters an den jungen Sohn gestaltet ist, als er ihn darüber aufklärt, das sein Onkel einer der meistgesuchten Verbrecher Australiens war… Erfrischend und so voller Charme des unangespassten. Mich hat das Buch durchweg begeistert, auch wenn Toltz an einigen wenigen Stellen etwas in Nebenhandlungen abgleitet, so bereiten diese nur den Weg zum furiosen Finale und müssen im Nachhinein genau dort stehen. Ein Feuerwerk, das sich perfekt über 800 Seiten selbst abfackelt…;-)

Zeit der Gespenster - Jodi Picoult

Dienstag, 23. März 2010

Diese Picoult hat mir wieder deutlich besser gefallen! Die Figuren sind zwar nicht ganz so stark gezeichnet wie in anderen Werken von ihr, aber das ist auch nicht unbedingt notwendig - der Spannung tut es wenig Abbruch. Wie der Titel schon ahnen läßt, dreht sich das Buch unter anderem um übersinnliche Phänomen - oder Gespenster, wie man es auch nennen mag. Ein bisschen darauf einlassen muss man sich schon - dann erzählt Picoult wieder eine meisterhaft verknüpfte Geschichte, zwischen Gegenwart und Zukunft, Liebe und Sterben, vermischt mit der Kultur eines alten Indianerstammes und einem recht unbekannten Kapitel amerikanischer Geschichte: einem Eugenik-Projekt, das sich unter anderem mit dem Sterilisationsgesetz und Minderheiten der Bevölkerung auseinandersetzt - gewohnt heißes Eisen für Picoult. Gerade diese Episoden, deren Handlungsstränge bis in die heutige Zeit zu künstlicher Befruchtung und Forschung reichen sind hochinteressant.Das Buch hätte auch noch 100-200 Seiten länger sein können, um die ganze Komplexität noch mehr zu erfassen. War sehr schnell durchgelesen, Picoult lässt einen einfach nicht los - echte Schmöker!